Holocaustdenkmal Dubossary

Мемориал жертвам фашизма / Monument la mormântul comun al victimelor Holocaustului


In der kleinen moldauischen Stadt Dubossary (rumänisch: Dubăsari), seit Anfang der 1990er Jahre der abtrünnigen Region Transnistrien angehörend, erinnert ein Denkmal an die etwa 4.000 Juden aus Dubossary und Umgebung, die 1941 von deutschen SS-Einsatzgruppen ermordet wurden.

Geschichte

Die kleine Stadt Dubossary liegt jenseits des Flusses Dnister in unmittelbarer Nähe zur historischen Region Bessarabien, einem Gebiet, das Rumänien 1940 an die Sowjetunion abtreten musste und heute größtenteils das Staatsgebiet der Republik Moldau ausmacht. Juden siedelten sich hier seit dem 18. Jahrhundert an, 1939 lebten in Dubossary etwa 2.200 Juden. Nach dem Angriff auf die Sowjetunion im Juni 1941 eroberten deutsche und rumänische Truppen die Stadt. Ihnen folgte im Sommer 1941 das SS-Einsatzkommando (Ek) 12b unter dem Kommando von Max Drexel. Die Juden aus Dubossary und Umgebung mussten in ein Ghetto unter rumänischer Bewachung umziehen. Anfang September 1941 befahl Drexel dem Gemeindevorsteher Alexander Djementschuk, vor der Stadt Gruben ausheben zu lassen, angeblich um Vorräte für den Winter zu lagern. Eine Woche später befahl die Führung der Einsatzgruppe den Juden, sich am 12. September 1941 zu ihrer Umsiedlung in die Umgebung der Stadt Tiraspol bereitzuhalten. Am frühen Morgen des 12. September brachten die Männer des Einsatzkommandos, rumänische Gendarmen und andere Helfer die etwa 2.500 Juden zum Gelände einer Tabakfabrik in der Nähe der Gruben. Zuerst führten die Angehörigen des Einsatzkommandos die jüdischen Männer zu den Gruben, nachdem sie all ihre Wertgegenstände abgeben mussten. Die Juden mussten sich an den Grubenrand stellen und wurden von hinten erschossen. Danach erschoss das Einsatzkommando die Frauen und Kinder. Insgesamt ermordete das EK 12b bei dieser ersten Aktion bis zu 2.500 Juden. Zwei Tage später erschossen die SS-Männer an derselben Grube etwa 1.500 Juden aus den nahe gelegenen Orten Okna und Kotowsk. Kurz vor ihrem Abzug Richtung Osten durchkämmte das Einsatzkommando noch einmal die Region, dabei ermordeten die SS-Leute weitere 500 Juden.

Opfergruppen

Bei den Erschießungen durch das Einsatzkommando 12b im September 1941 kamen etwa 4.000 Juden um. Über die Hälfte von ihnen kam aus Dubossary, mehrere Hundert Juden stammten aus umliegenden Orten. Sie hatten teilweise in der Stadt Dubossary Zuflucht gesucht. Etwa 1.500 Juden kamen aus den Orten Okna und Kotowsk. Etwa 500 Juden aus der weiteren Umgebung von Dubossary wurden Ende September 1941 ermordet.

Erfahre mehr über Republik Moldau

Die heutige Republik Moldau umfasst den größten Teil der historischen Provinz Bessarabien östlich des Flusses Pruth sowie einen kleinen Streifen östlich des Dnjestr, der zur Region Transnistrien (»jenseits des Dnjestr«) gehört. Die Landessprache ist rumänisch. Vor dem Ersten Weltkrieg gehörte diese Landschaft zum Russischen Zarenreich, danach jedoch, ohne den transnistrischen Teil, zum Königreich Rumänien. 1939 lebten hier etwa 205.000 Juden. Nachdem das Deutsche Reich und die Sowjetunion in einem Geheimabkommen – dem so genannten Hitler-Stalin-Pakt – ihre »Interessensphären« zwischen Ostsee und Schwarzem Meer abgesteckt hatten, marschierte die Rote Armee im Sommer 1940 in Bessarabien ein. Der sowjetische Geheimdienst NKWD verschleppte anschließend 11.000 »unliebsame« Personen, darunter über Tausend Juden, nach Sibirien. Rumänien suchte nach diesen umfangreichen Gebietsverlusten verstärkt die Nähe zum nationalsozialistischen Deutschland. Im Sommer 1941 marschierten seine Truppen an der Seite der deutschen Wehrmacht auf sowjetisches Gebiet vor, Bessarabien und das gesamte zur Ukraine gehörende transnistrische Gebiet bis zum Fluss Bug kamen unter rumänische Hoheit. Zwischen Juli und August 1941 ermordeten Angehörige der Wehrmacht und der SS-Einsatzgruppe D, rumänische Sonderkommandos und Polizeieinheiten über 150.000 Juden der Region, plünderten die verlassenen Häuser und Geschäfte. Die Überlebenden wurden in Ghettos und Lager gepfercht und ab dem 15. September über den Djnestr nach Transnistrien verschleppt, ebenso wie politische Gefangene, die der Kollaboration mit den sowjetischen Behörden verdächtigt wurden. Ab 1945 kehrten 7.000 bis 10.000 in die Sowjetunion geflohene oder verschleppte Juden zurück. Nach dem Krieg wurde Bessarabien erneut zur Moldawischen Sozialistischen Sowjetrepublik. Gedacht wurde der Befreiung durch die Rote Armee und des »Sieges« im Großen Vaterländischen Krieg. Alles »Rumänische« wurde systematisch getilgt. Nach der Unabhängigkeit der Republik Moldau 1991 wurde lange über eine Wiedervereinigung mit Rumänien gestritten. Die mehrheitlich russische Bevölkerung im transnistrischen Teil verhinderte dies aber. Der Grundkonflikt zwischen dem größeren bessarabisch-rumänischsprachigen und dem kleineren, seit 1992 nach einem kurzen Bürgerkrieg abtrünnigen transnistrisch-russischsprachigen Gebiet, verbunden mit großen wirtschaftlichen und sozialen Problemen des Landes, drängen das Erinnern an Holocaust und Zweiten Weltkrieg in den Hintergrund. In verschiedenen Städten Moldaus erinnern seit Beginn der 1990er Jahre dennoch Denkmäler, Gedenktafeln oder -steine an die Massaker im Sommer 1941 und an die ermordeten Juden – so in Dubossary und der heutigen Hauptstadt Kischinau, auf dem jüdischen Friedhof von Tighina oder in Dörfern wie Vertujeni und Pepeni.

Erinnerung

An der Stelle der Erschießungen von 1941 wurde 1949 eine eingezäunte Grabanlage errichtet. Die elf Massengräber wurden befriedet. Am Eingang wurde eine Skulpturengruppe mit dem Titel »Dem Befreienden Soldaten« aufgestellt, die einen über zwei Kinder gebeugten sowjetischen Soldaten zeigt.
Dubossary gehört zur abtrünnigen Region Transnistrien, in der überwiegend russisch gesprochen wird und wo sowjetische Gedenktraditionen weiter gepflegt werden. Hier wird die Anlage »Denkmal für die Opfer des Faschismus« genannt, während sie im Denkmalregister der Republik Moldau als »Denkmal für die Opfer des Holocaust« bezeichnet wird.
Die Grabanlage wurde mehrmals erneuert, zuletzt 2025. Niedrige Mauern umrahmen die Massengräber, in denen die Erschießungsopfer bestattet sind. Das Gelände ist fast 300 Meter lang. Verschiedene Gedenk- und Informationstafeln sind zudem in die Nischen einer das Gelände abgrenzenden Mauer eingelassen. So befinden sich die Namen von etwa 3.000 Opfern aus Dubossary, die die lokale jüdische Gemeinde in den 1990er Jahren recherchiert hat.

2017 wurde auf dem Gelände eine Plastik namens »Requiem« gegenüber dem Sowjetsoldaten eingeweiht. Die Idee für das Projekt geht auf den sowjetisch-moldauischen Künstler Lazar Dubinovsky (1910–1982) zurück, verwirklicht wurde sie von Serhiy Gonenko. Die 2,5 Meter hohe Statue zeigt die Umrisse eines betenden und trauernden Juden, doch innen ist die Statue hohl. Auf ihrem Sockel steht auf Russisch, Jiddisch und Englisch die Inschrift: »Wofür«?
Die Grabanlange ist die größte ihrer Art für die Opfer des Holocaust in der Region. Es finden dort regelmäßig Gedenkveranstaltungen statt, sowohl an Holocaustgedenktagen als auch am 9. Mai, der in den meisten Teilen der russischsprachigen Welt als Tag des Sieges gefeiert wird.
Etwa anderthalb Kilometer von den Massengräbern entfernt befindet sich der jüdische Friedhof von Dubossary. Der älteste Grabstein stammt dort aus dem Jahr 1827. Der Friedhof wird auch heute noch genutzt.

Kontakt

http://www.dubossary.ru/page.php?163

ul. Zoja Kosmodemjanskaja
4501 Dubăsari