Kosovo


Das mehrheitlich albanischsprachige Kosovo gehörte seit 1912 zum Königreich Serbien, nach 1929 zu Jugoslawien. Durch den Überfall der deutschen Wehrmacht im April 1941 wurde Jugoslawien als Staat zerschlagen. Die Landesteile fielen unter Verwaltung der Wehrmacht oder ihrer Verbündeten. Das Kosovo wurde italienisch und dem seit 1939 von Italien kontrollierten Nachbarland Albanien angegliedert. 1943 besetzte die deutsche Wehrmacht auch Italien und alle Gebiete unter italienischem Einfluss, darunter das Kosovo. Die Region wurde verstärkt zum Kampfgebiet von Partisanen. Die Deutschen warben um die albanischsprachige Bevölkerung. 1944 stellte die SS eine albanische Einheit auf, in der sich vor allem Kosovo-Albaner befanden. Die Division »Skanderbeg« sollte zur Partisanenbekämpfung eingesetzt werden, terrorisierte jedoch auch serbische Zivilisten. Diese Einheit trug den Namen des Nationalhelden und Fürsten Georg Kastriota (1405–1468), genannt Skanderbeg, der für seine Verteidigung Albaniens gegen die Osmanen verehrt wird. Aber nicht alle Albaner stellten sich auf die Seite der Besatzungsmacht; sie kämpften auch bei den jugoslawischen Partisanen unter Josip Broz Tito (1892–1980). Daneben operierten im Kosovo auch Verbände der albanischen Kommunisten unter Enver Hoxha (1908–1985). Hoxha verzichtete 1944 gegenüber Tito darauf, nach Kriegsende das Kosovo bei Albanien zu belassen, um nicht in Gefahr zu geraten, den gesamten albanischen Staat an Jugoslawien zu verlieren. Tito versprach dem Kosovo das Recht auf nationale Selbstbestimmung, das es aber erst 1974 mit einem Autonomiestatus erhielt. Im öffentlichen Leben spielte alles Albanische nun eine stärkere Rolle. Nach Titos Tod nahmen Konflikte der verschiedenen Bevölkerungsgruppen in Jugoslawien zu. Im Kosovo wurde der serbische Einfluss erneut ausgeweitet, wozu maßgeblich der serbische Präsident Slobodan Milošević (1941–2006) beitrug. Der faktischen Aufhebung der Autonomie 1989 begegneten die Kosovaren mit der Erklärung ihrer Unabhängigkeit, die international jedoch nicht anerkannt wurde. Nationalisten begannen mit dem gewaltfreien Aufbau eines Parallelstaates, der unter anderem ein eigenes Schulwesen organisierte. Spätestens ab 1996 versuchte aber die »Ushtria Çlirimtare e Kosovës« (Befreiungsarmee des Kosovo = UÇK) die Unabhängigkeit mit Gewalt zu erreichen. Sie wurde von serbischen Einheiten bekämpft. Der zum Bürgerkrieg ausgeweitete Konflikt alarmierte die internationale Staatengemeinschaft; schließlich zwang 1999 die NATO die serbisch-jugoslawischen Militäreinheiten zum Rückzug. Seitdem stand das Kosovo unter internationaler Verwaltung. 2008 erklärte es seine Unabhängigkeit, die von zahlreichen Staaten anerkannt wurde, darunter Deutschland Im Rahmen des albanisch-serbischen Konfliktes spielt die Auslegung der Geschichte im Zweiten Weltkrieg eine entscheidende Rolle. Auf Seiten der Kosovo-Albaner ist die Kollaboration mit der Wehrmacht und der SS kaum aufgearbeitet. Neben den zahlreichen Morden an Serben war mit ihr auch die Verschleppung von etwa 300 Juden aus Pristina in das Konzentrationslager Bergen-Belsen im Frühjahr 1944 verbunden. Die serbische Seite dokumentierte hingegen vor allem die Verbrechen der Division »Skanderbeg« und bezog sie direkt auf die Verfolgung von Serben im heutigen Kosovo und auf das Vorgehen der UÇK. Die Rolle von Albanern beim Widerstand gegen die Wehrmacht wird hingegen kaum thematisiert.

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