Die Vorläuferorganisation der CegeSoma (französisch: »Centre d’Étude Guerre et Société«, niederländisch: »Studiecentrum Oorlog en Maatschappij«, deutsch: »Studienzentrum zu Krieg und Gesellschaft«) wurde 1967 in Brüssel gegründet mit dem Ziel, ein umfangreiches Archiv über den Zweiten Weltkrieges aufzubauen sowie die wissenschaftliche Forschung zu fördern. Seit den 1990er Jahren hat das CegeSoma seine Themen erweitert: zum einen liegt es seinen Schwerpunkt zusätzlich auf öffentliche Vermittlung und Digitalisierung, zum anderen befasst es sich mit weiteren Themen wie der Geschichte des Ersten Weltkrieges und dem Kalten Krieg. Seit 2016 ist das CegeSoma Teil des belgischen Staatsarchivs.

Geschichte

Nach der Unabhängigkeit Belgiens 1830 sollten die europäischen Großmächte die Neutralität des neuen Staates garantieren.

Beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges verletzte das Deutsche Kaiserreich diese Neutralität, da die deutschen Aufmarschpläne gegen Frankreich einen Vorstoß durch Belgien vorsahen. Dies führte beinahe automatisch zum Kriegseintritt Großbritanniens auf der Seite Frankreichs. Belgien wehrte sich, und der belgischen Armee gelang es, den deutschen Vormarsch erheblich zu verlangsamen. Der deutsche Vormarsch kam entlang des Flusses Yser zum Stillstand. Schließlich ging die belgische Regierung ins französische Exil, und das Land geriet unter deutsche Besatzung. Es kam zu einer Flüchtlingskrise, und deutsche Gräueltaten gegen die Zivilbevölkerung wurden international bekannt. Viele Belgier leisteten in dieser Zeit Widerstand.

1940 griff das nationalsozialistische Deutschland Belgien erneut an. Nach der Kapitulation des Landes am 28. Mai 1940 kam Belgien unter deutsche Militärverwaltung. Während der Besatzung verfolgten die deutschen Behörden eine Politik der Vernichtung gegen die im Land lebende jüdische Bevölkerung. Die Kazerne Dossin in Mechelen diente als Durchgangs- und Sammellager für die verhafteten Juden. Insgesamt fuhren 27 Transportzüge mit jüdischen Deportierten von Belgien nach Auschwitz. Es gab aber auch aktiven Widerstand gegen die nationalsozialistische Herrschaft: Bewaffnete Gruppen wurden durch Informationsdienste und Fluchthilfenetzwerke unterstützt. Insgesamt haben sich rund 165.000 Belgier an unterschiedlichen Formen des Widerstands beteiligt. Tausende von ihnen wurden von deutschen Militärgerichten verurteilt oder in deutsche Gefängnisse und Konzentrationslager verschleppt.

Nach 1945 gehörte Belgien zu denjenigen Ländern Westeuropas, die die europäische Integration konsequent vorantrieben. Wichtige Institutionen der EU und der NATO haben sich in der Hauptstadt Brüssel angesiedelt. Dennoch erschweren Spannungen zwischen Flamen und Wallonen bis heute das politische Zusammenleben und die Aufarbeitung der Geschichte des Landes.

Opfergruppen

Insgesamt fielen rund 26.000 belgische Soldaten während des Ersten Weltkrieges. In der Zivilbevölkerung wird die Anzahl der Opfer auf über 23.000 geschätzt. Rund 6.000 von ihnen wurden von deutschen Truppen in den Massakern vom August 1914 ermordet. 277 von ihnen waren Widerstandskämpfer, die von deutschen Militärgerichten verurteilt und hingerichtet wurden. Zudem wurden fast 120.000 Belgier zur Zwangsarbeit verschleppt. 2.614 von ihnen kamen ums Leben.

Im Zweiten Weltkrieg wurden rund 25.000 jüdische Kinder, Frauen und Männer aus Belgien in deutsche Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert. Rund 40 Prozent der 66.000 Juden, die im Mai 1940 in Belgien gelebt hatten, überlebten den Holocaust nicht. Etwa 40.000 politische Gegner und Widerstandskämpfer wurden in Belgien verhaftet, fast 15.000 von ihnen starben. Auch 353 Sinti und Roma aus Nordfrankreich und Belgien wurden in den ersten Monaten von 1944 nach Auschwitz verschleppt. Nur 33 von ihnen überlebten die Deportation.

Erfahre mehr über Belgien

Das neutrale Belgien wurde im Mai 1940 angegriffen und stand fortan unter deutscher Militärverwaltung. Das deutschsprachige Gebiet um Eupen-Malmedy im Osten Belgiens wurde Teil des Deutschen Reiches. Damals lebten etwa 66.000 Juden im Land, darunter viele Flüchtlinge. Im Oktober 1940 wurden die ersten antijüdischen Verordnungen erlassen. Die Verfolgungs- und Beraubungspolitik der Besatzungsmacht mündete 1942 in die Vorbereitung systematischer Deportationen. Nachdem nur wenige Juden den Aufrufen zu angeblichen Zwangsarbeitseinsätzen folgten, führte der SS- und Polizeiapparat Razzien durch. Nach einem Aufenthalt im Zwischenlager Mechelen wurden die Verhafteten in das Vernichtungslager Auschwitz verschleppt und dort sofort ermordet. Insgesamt fielen etwa 25.000 Juden und mehr als 350 Roma aus Belgien den Deportationen zum Opfer. Die Festung Breendonk bei Antwerpen diente ab September 1940 als Gefängnis, Auffang- und Durchgangslager, von wo vor allem politische Gegner der nationalsozialistischen Besatzer in deutsche Konzentrationslager transportiert wurden. Ende 1944 kam es im Rahmen der Ardennenoffensive im Südosten des Landes – in Lüttich und der Gegend um Malmedy – zu weitreichenden Zerstörungen mit zahlreichen zivilen Opfern, als deutsche Truppen erfolglos versuchten, die bereits bis Aachen vorgerückten Alliierten aufzuhalten. Etwa 90.000 Belgier wurden Opfer von Krieg und Besatzung. Die Mehrzahl der jüdischen Bevölkerung konnte dank der Hilfe nichtjüdischer Belgier überleben. Die belgische Gedenkkultur war und ist – entsprechend der politischen Struktur des Landes – mehrfach gespalten: Im französischsprachigen, wallonischen Landesteil ging lange eine verbreitete Überbewertung des Widerstandes mit der einseitigen Wahrnehmung Flanderns als »schwarz«. Dort wiederum beschönigten viele die Zusammenarbeit mit den deutschen Besatzern als Kampf für die vom belgischen Staat verfolgte flämische Nation. Die Verfolgung der Juden wurde verdrängt, ein Gedenken lediglich von der jüdischen Gemeinschaft aufrechterhalten. Seit den 1980er Jahren setzten sich an belgischen Gedenkorten jene Darstellungen durch, die nicht nur die flämische, sondern auch die wallonische Kollaboration zeigten und sowohl Widerstand als auch Unterdrückung zum Thema machten. Bei der Eröffnung des jüdischen Deportations- und Widerstandsmuseums im flandrischen Mechelen im Jahr 1995 wurde deutlich, dass die von jüdischen und nichtjüdischen Belgiern geteilte Lagererfahrung eine Brücke zwischen den unterschiedlichen Erinnerungen schafft. Die gleichberechtigte Existenz verschiedener Gedenkstätten wie zum Beispiel der Stätte des nationalen Widerstands in Breendonk und des Museums in Mechelen scheint inzwischen selbstverständlich zu sein.

Erinnerung

Am 13. Dezember 1967 wurde das CREHSGM/NSGWO (französisch: »Centre de Recherches et d‘Études historiques de la Seconde Guerre mondiale«, niederländisch: »Navorsings- en Studiecentrum van de Geschiedenis van de Tweede Wereldoorlog«, deutsch: »Forschungs- und Studienzentrum zum Zweiten Weltkrieg«) gegründet. Den Anlass zur Gründung gab der Freispruch eines belgischen Journalisten, der während der deutschen Besatzung mit den Nationalsozialisten kollaboriert hatte. Den Gründern ging es darum, historische Dokumente über den Zweiten Weltkrieg zu sammeln und die wissenschaftliche Forschung zum Thema voranzutreiben.

In den 1990er Jahren änderte das CREHSGM/NSGWO sein Profil. Einerseits öffnete sich das Zentrum stärker nach außen, zunächst durch die Förderung des akademischen Austausches, ab den 2000er Jahren auch durch die Fokussierung auf die Vermittlung an die breite Öffentlichkeit und die Digitalisierung der Archivbestände. Zum anderen beschäftigte sich das Zentrum mit neuen Themen in Verbindung mit den Konflikten des 20. Jahrhunderts, darunter dem Ersten Weltkrieg und dem Kalten Krieg. 1997 wurde das Zentrum deshalb in CegeSoma (französisch: »Centre d’Étude Guerre et Société«, niederländisch: »Studiecentrum Oorlog en Maatschappij«, deutsch: »Studienzentrum zu Krieg und Gesellschaft«) umbenannt.

Seit 2016 ist das CegeSoma Teil des belgischen Staatsarchivs. Heute ist das CegeSoma weiterhin wissenschaftlich tätig und bietet Zugang zu seiner Bibliothek und seiner umfangreichen Sammlung sowie Sonderausstellungen in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Museen und Onlineressourcen wie die Webseiten Belgium WWII, The Belgian War Press und Resistance in Belgium.

Angebote

Sonderausstellungen zu unterschiedlichen Themen, Dokumentationszentrum, Onlineressourcen, wissenschaftliche Zeitschrift, Symposien, Kulturveranstaltungen

Öffnungszeiten

Dienstags bis donnerstags 9.00 bis 16.30 (Leseraum)

Kontakt

https://www.cegesoma.be/

cegesoma@arch.be

+ 32 2 556 92 11

Square de l'Aviation 29
1070 Brüssel/Brussels, Belgien/Belgium