Friedensdenkmal von Deurne

Vredesmonument Deurne


Das Friedensdenkmal von Deurne erinnert an 43 Polizisten aus der Gemeinde, die im Zweiten Weltkrieg die Deportation von Juden in deutsche Vernichtungslager verhinderten und später selbst in deutsche Konzentrationslager verschleppt wurden.

Geschichte

Mit dem Beginn des Westfeldzuges griff die deutsche Wehrmacht das bis dahin neutral gebliebene Belgien an. Nach der Kapitulation des Landes am 28. Mai 1940 wurde das Gebiet Belgiens unter deutsche Militärverwaltung gestellt. Sofort begannen die Ausgrenzung und die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung in Belgien. Von 1942 bis 1944 wurden rund 25.000 Juden aus Belgien in deutsche Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert.

In der Gemeinde Deurne unweit von Antwerpen führten die deutschen Behörden, wie in anderen belgischen Städten auch, Razzien durch, um Juden zu verhaften und in deutsche Konzentrations- und Vernichtungslager zu verschleppen. Jedoch vereitelten Polizisten aus Deurne am 27. August 1942 eine Razzia, indem sie die Juden vor Ort durch Flugblätter im Voraus warnten. Kurz danach verhinderten sie eine weitere Verhaftungswelle in der Gemeinde, indem sie den festgenommenen Juden die Flucht ermöglichten.

Nach den Razzien des Sommers 1942 schlossen sich einige Polizisten aus Deurne der »Witte Brigade« (deutsch: »Weiße Brigade«) an, einer in Antwerpen tätigen Widerstandsgruppe. In der Nacht vom 14. auf den 15. Januar 1944 wurden 43 Polizisten aus Deurne verhaftet und anschließend in die Lager Buchenwald, Groß-Rosen und Mittelbau-Dora verschleppt. Wenige Monate später wurde auch der Bürgermeister von Deurne, Alfons Schneider, festgenommen und deportiert. Er kam in einem der Außenlager von Buchenwald ums Leben.

Opfergruppen

Insgesamt wurden 43 Polizisten aus Deurne verhaftet und in deutsche Konzentrationslager verschleppt. Nur 8 von ihnen überlebten Deportation und Haft.

Erfahre mehr über Belgien

Das neutrale Belgien wurde im Mai 1940 angegriffen und stand fortan unter deutscher Militärverwaltung. Das deutschsprachige Gebiet um Eupen-Malmedy im Osten Belgiens wurde Teil des Deutschen Reiches. Damals lebten etwa 66.000 Juden im Land, darunter viele Flüchtlinge. Im Oktober 1940 wurden die ersten antijüdischen Verordnungen erlassen. Die Verfolgungs- und Beraubungspolitik der Besatzungsmacht mündete 1942 in die Vorbereitung systematischer Deportationen. Nachdem nur wenige Juden den Aufrufen zu angeblichen Zwangsarbeitseinsätzen folgten, führte der SS- und Polizeiapparat Razzien durch. Nach einem Aufenthalt im Zwischenlager Mechelen wurden die Verhafteten in das Vernichtungslager Auschwitz verschleppt und dort sofort ermordet. Insgesamt fielen etwa 25.000 Juden und mehr als 350 Roma aus Belgien den Deportationen zum Opfer. Die Festung Breendonk bei Antwerpen diente ab September 1940 als Gefängnis, Auffang- und Durchgangslager, von wo vor allem politische Gegner der nationalsozialistischen Besatzer in deutsche Konzentrationslager transportiert wurden. Ende 1944 kam es im Rahmen der Ardennenoffensive im Südosten des Landes – in Lüttich und der Gegend um Malmedy – zu weitreichenden Zerstörungen mit zahlreichen zivilen Opfern, als deutsche Truppen erfolglos versuchten, die bereits bis Aachen vorgerückten Alliierten aufzuhalten. Etwa 90.000 Belgier wurden Opfer von Krieg und Besatzung. Die Mehrzahl der jüdischen Bevölkerung konnte dank der Hilfe nichtjüdischer Belgier überleben. Die belgische Gedenkkultur war und ist – entsprechend der politischen Struktur des Landes – mehrfach gespalten: Im französischsprachigen, wallonischen Landesteil ging lange eine verbreitete Überbewertung des Widerstandes mit der einseitigen Wahrnehmung Flanderns als »schwarz«. Dort wiederum beschönigten viele die Zusammenarbeit mit den deutschen Besatzern als Kampf für die vom belgischen Staat verfolgte flämische Nation. Die Verfolgung der Juden wurde verdrängt, ein Gedenken lediglich von der jüdischen Gemeinschaft aufrechterhalten. Seit den 1980er Jahren setzten sich an belgischen Gedenkorten jene Darstellungen durch, die nicht nur die flämische, sondern auch die wallonische Kollaboration zeigten und sowohl Widerstand als auch Unterdrückung zum Thema machten. Bei der Eröffnung des jüdischen Deportations- und Widerstandsmuseums im flandrischen Mechelen im Jahr 1995 wurde deutlich, dass die von jüdischen und nichtjüdischen Belgiern geteilte Lagererfahrung eine Brücke zwischen den unterschiedlichen Erinnerungen schafft. Die gleichberechtigte Existenz verschiedener Gedenkstätten wie zum Beispiel der Stätte des nationalen Widerstands in Breendonk und des Museums in Mechelen scheint inzwischen selbstverständlich zu sein.

Erinnerung

Deurne wurde 1983 Stadtteil von Antwerpen.

Auf Initiative des Bezirks Deurne, des Vredescentrum (deutsch: »Friedenszentrum«) der Stadt Antwerpen und des Vereins »Vrienden van het Vredesmonument Deurne« (deutsch: »Freunde des Friedensdenkmals von Deurne«) wurde 2018 ein Platz in Deurne nach einem der deportierten Polizisten, Wim Saerens, benannt. Zur gleichen Zeit wurde ein Denkmal für die 43 deportierten Polizisten sowie den ehemaligen Bürgermeister von Deurne Alfons Schneider auf dem Platz errichtet. Von den Architekten André Bladt und Cindy Verstraeten entworfen, wurde das sogenannte Friedensdenkmal von Deurne am 14. Januar 2018 eingeweiht, genau 74 Jahre nach der Verhaftung der 43 Polizisten im Jahr 1944.

Das Friedensdenkmal besteht aus 35 Granitsäulen, die jeweils den Namen eines der verstorbenen Polizisten tragen, und 8 Sitzbänken, die an die Überlebenden erinnern. Eine weitere Säule mit einem Rednerpult erinnert an den ehemaligen Bürgermeister von Deurne Alfons Schneider. In der Mitte des Friedensdenkmals befindet sich eine umgekehrte Pyramide, auf der Bilder der 43 deportierten Polizisten zu sehen sind. Die Seiten der Pyramide werfen zudem das Spiegelbild der Besucher zurück. Dieser Effekt soll als Mahnung an die heutigen Generationen dienen.

Öffnungszeiten

Das Denkmal ist jederzeit zugänglich.

Kontakt

https://www.vredesmonumentdeurne.be/

Wim Saerensplein
2100 Antwerpen/Antwerp, Belgien/Belgium