Während des Zweiten Weltkrieges versuchten Tausende, in der Schweiz Zuflucht zu finden, um Krieg und dem nationalsozialistischen Terror zu entkommen. Viele wurden an der schweizerischen Grenze zurückgewiesen, darunter auch Tausende Juden. 2011 in Riehen, in direkter Nachbarschaft zu Basel und zur deutschen Grenze eröffnet, eröffnet, erinnert die Gedenkstätte für Flüchtlinge zur Zeit des Zweiten Weltkrieges an die Menschen, denen die Schweiz den Einlass verweigerte und die oftmals anschließend in deutsche Lager deportiert wurden.
Während des Zweiten Weltkrieges wurde die neutral gebliebene Schweiz nicht von der deutschen Wehrmacht angegriffen, blieb daher von Kriegshandlungen verschont. Jedoch spielte sie trotzdem eine wichtige Rolle als Aufnahmeort für Flüchtlinge.
Bereits vor dem Kriegsbeginn nahm die Schweiz einen wachsenden Zustrom von Flüchtlingen auf: zunächst eine relativ kleine Anzahl von deutschen Juden und Intellektuellen nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten im Januar 1933, danach auch österreichische Juden und eine zunehmende Anzahl von deutschen Juden nach dem »Anschluss« Österreichs und der »Reichspogromnacht« vom November 1938. Aus Angst vor einer »Überfremdung« beschlossen die schweizerischen Behörden, eine strenge Flüchtlingspolitik umzusetzen: Somit wurde die Definition von politischen Flüchtlingen stark eingeschränkt und Juden nicht als politische Flüchtlinge anerkannt. Außerdem schloss die Schweiz am 5. Oktober 1938 ein Abkommen mit dem nationalsozialistischen Deutschland ab, der zufolge hatte, dass Juden aus dem Deutschen Reich mit einem »J-Stempel« im Pass gekennzeichnet wurden. Dies ermöglichte ihre systematische Zurückweisung durch die schweizerischen Behörden. Die Mehrheit der zurückgewiesenen Juden konnten dem Zugriff der Nationalsozialisten nicht entkommen und wurden später in deutsche Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert. Auch Sinti und Roma waren von Einreiseverboten und Ausweisungen betroffen. Erst am 12. Juli 1944 erteilten die schweizerischen Behörden die allzu späte offizielle Weisung, alle an Leib und Leben gefährdeten Zivilisten aufzunehmen.
In diesem Kontext wurde die an der deutschen Grenze gelegene Gemeinde Riehen zu einem zentralen Fluchtweg: Riehen war nämlich der Ausgangspunkt der »Eisernen Hand«, eines Streifens, der sich nach Deutschland erstreckte und aus Materialmangel von den deutschen Behörden nicht umzäunt wurde. Allerdings wurden von dort aus auch zahlreiche Flüchtlinge, darunter viele Juden, nach ihrer Kontrolle durch die schweizerischen Behörden abgewiesen.
Während des Zweiten Weltkrieges nahm die Schweiz 290.000 Schutzsuchende auf, darunter 60.000 Zivilisten. Von den aufgenommenen Zivilisten waren 28.000 Juden.
Insgesamt wurden zwischen 1939 und 1945 über 20.000 Zivilisten an der schweizerischen Grenze zurückgewiesen, darunter rund 5.500 Juden und eine unbekannte Anzahl von Sinti und Roma. Die genaue Anzahl der an der Riehener Grenze abgewiesenen Flüchtlinge bleibt unbekannt.
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In der Nachkriegszeit war die Aufarbeitung der Rolle, die die Schweiz im Zweiten Weltkrieg gespielt hatte, eine mühsame Aufgabe. Impulsgebend waren vor allem der Flüchtlingsbericht von Carl Ludwig (1957) und der Bericht über die Neutralität der Schweiz von Edgar Bonjour (1970), doch der Mythos der Schweiz als Zufluchtsort für Verfolgte bestand trotzdem bis in die 1990er Jahre. Mit der Berufung der Unabhängigen Expertenkommission (UEK) durch das schweizerische Parlament im Jahr 1996 und der Veröffentlichung ihres Schlussberichts, des sogenannten Bergier-Berichts, im Jahr 2002, wurde die schweizerische Wirtschafts- und Flüchtlingspolitik während des Zweiten Weltkrieges zum ersten Mal eingehend untersucht. Dies leitete eine kritische Auseinandersetzung mit der schweizerischen Zeitgeschichte in der öffentlichen Debatte ein.
In diesem Kontext schlug Hanspeter Kehl, ein Großrat des Kantons Basel-Stadt, im Jahr 1997 der schweizerischen Regierung die Errichtung eines Mahnmals für die an der schweizerischen Grenze abgewiesenen Flüchtlinge vor. Die Regierung antwortete zwar positiv, doch alle Konzeptvorschläge wurden von der Kunstkreditkommission abgelehnt. Somit wurde das Mahnmal zunächst nicht verwirklicht.
2010 erwarb der deutsche Theologe und Unternehmensberater Johannes Czwalina das sogenannte Bahnwärterhaus in Riehen, um dort eine Bleibe für seine Geschäftskunden einzurichten. Während des Zweiten Weltkrieges gehörte das Haus einem Beamten der Deutschen Reichsbahn, dessen drei Kinder während des Krieges oft Zeugen von Zurückweisungen an der schweizerischen Grenze wurden. Aus diesem Grund kontaktierten die drei Brüder Johannes Czwalina, um ihm ihre Geschichte zu erzählen, was ihn schließlich dazu bewog, das Haus in eine Gedenkstätte umzuwandeln. Die Gedenkstätte für Flüchtlinge zur Zeit des Zweiten Weltkrieges wurde am 22. Februar 2011 als erster Holocaust-Gedenkort der Schweiz eröffnet.
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