Während des Zweiten Weltkrieges nutzten deutsche Truppen die vorhandene Kaserne in der belgischen Stadt Leopoldsburg, um Soldaten auszubilden. Gleichzeitig richteten sie dort ein Durchgangslager für Juden und politische Gefangenen ein. Später spielte Leopoldsburg auch eine wichtige Rolle bei der Befreiung Westeuropas durch die alliierten Truppen. 2023 eröffnet, thematisiert das Liberation Garden die Geschichte von Leopoldsburg im Zweiten Weltkrieg.
Kurz nach der Unabhängigkeit Belgiens im Jahr 1830 wurde eine Kaserne zur Verteidigung des Landes in Leopoldsburg errichtet, das »Kamp van Beverlo«.
Mit dem Beginn des Westfeldzuges griff die deutsche Wehrmacht das bis dahin neutral gebliebene Belgien an. Nach der Kapitulation des Landes am 28. Mai 1940 wurde das Gebiet Belgiens unter deutsche Militärverwaltung gestellt. In diesem Zusammenhang nahmen die deutschen Truppen das »Kamp van Beverlo« in Besitz und nutzten es fortan, um Soldaten auszubilden. Gleichzeitig richteten sie in den ehemaligen Kavallerieblöcken der Kaserne ein Durchgangslager für Juden und politische Gefangenen ein. Dort wurden über 1.000 Häftlinge vor ihrer Deportation in deutsche Konzentrations- und Vernichtungslager interniert, darunter der belgische Karikaturist Marc Sleen und der afroamerikanische Künstler Josef Nassy. Von Oktober 1942 bis November 1943 nutzten die deutschen Besatzer zusätzlich ein Gelände in der Nähe des »Kamp van Beverlo« als Hinrichtungs- und Begräbnisstätte für Widerstandskämpfer, den sogenannten Geheimen Friedhof. Über 200 Personen wurden dort erschossen.
Mit dem allmählichen Vorrücken der alliierten Truppen in Westeuropa geriet Leopoldsburg ab September 1944 in den Mittelpunkt von Kriegshandlungen. Am 5. September 1944 wurden die restlichen Häftlinge des »Kamp van Beverlo« befreit und bis zum 12. September 1944 fanden heftige Kämpfe zwischen den Alliierten und deutschen Truppen in der Stadt statt. Nach der Befreiung der Stadt befiehl der britische Generalleutnant Brian Horrocks am 15. September 1944 den Beginn der Operation Market Garden zur Befreiung der Niederlande in Leopoldsburg.
Rund 1.400 Juden und politische Gefangenen wurden im »Kamp van Beverlo« zwischen 1940 und 1944 festgehalten.
Auf dem »Geheimen Friedhof« wurden 204 Personen hingerichtet und begraben, darunter 176 Widerstandskämpfer.
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In der Nachkriegszeit wurde das »Kamp van Beverlo« weiter als Kaserne genutzt. Zwischen 1947 und 1953 wurden fünf Abteilungen der Kaserne wiederaufgebaut. Ab 1970 beherbergte das »Kamp van Beverlo« eine Panzerbrigade. Dafür wurden mehrere Blöcke der ehemaligen Kavallerieblöcke der Kaserne abgerissen. Auf Initiative von Ray Verpoorten wurden einige der ehemaligen Kavallerieblöcke und die Kapelle der Kaserne behalten und dort 1991 ein Museum gegründet, das MKOK (»Museum K-blokken en Oscar Kapel«, deutsch: »Museum der K-Blöcke und der Oscar-Kapelle«). Zur gleichen Zeit wurde das Museum Kamp van Beverlo im ehemaligen Krankenhaus der Kaserne eingerichtet. Dennoch legten beide Museen den Schwerpunkt auf die Militärgeschichte des »Kamp van Beverlo« und befassten sich kaum mit seiner Funktion als Durchgangslager für Juden und politische Gefangenen in der deutschen Besatzungszeit.
Erst 2014 entstand in Leopoldsburg das Konzept eines Museums, das sich von den traditionellen Militärmuseen der Stadt unterscheiden sollte. Vom Kurator Peter Schrijvers entworfen, wurde das Liberation Garden in einer renovierten Offiziersvilla von 1850, dem sogenannten Chinesischen Pavillon, eingerichtet und am 5. Mai 2023 eröffnet. Die immersive Dauerausstellung fokussiert sich auf das Alltagsleben der Menschen während der deutschen Besatzung und die Geschichte der Befreiung von Leopoldsburg und thematisiert außerdem die Nutzung des »Kamp van Beverlo« als Durchgangslager während der deutschen Besatzung.
Dauerausstellung zur Geschichte von Leopoldsburg im Zweiten Weltkrieg, Führungen
Dienstags bis sonntags 10.00 bis 17.00, montags geschlossen
Am 1. Januar, Ostersonntag, 24. und 25. Dezember geschlossen
contact@liberationgarden.be
+32 11 29 38 00
Koningin Louisa-Marialaan 2
3970 Leopoldsburg, Belgien/Belgium