Finnland


Ende 1939 überfiel die Rote Armee das unabhängige Finnland und löste so den »Winterkrieg« aus. Hintergrund war der so genannte Hitler-Stalin-Pakt – ein geheimes Abkommen zwischen dem nationalsozialistischen Deutschen Reich und der stalinistischen Sowjetunion, in dem beide Länder ihre »Interessensphären« abgestimmt hatten. Trotz anfänglicher Erfolge sah sich Finnland gezwungen, am 13. März 1940 einen Friedensvertrag mit Moskau zu schließen und musste daraufhin unter anderem große Teile Kareliens an die Sowjetunion abtreten. In der Hoffnung, diese Gebiete zurückzugewinnen, schloss sich Finnland unter dem Oberkommando von Feldmarschall Freiherr Carl Gustaf Emil Mannerheim (1867–1951) im Sommer 1941 dem deutschen Feldzug gegen die Sowjetunion an (»Fortsetzungskrieg«). Gleichzeitig wahrte das Land seine Unabhängigkeit. Die etwa 2.000 Juden Finnlands waren von keiner Verfolgung betroffen, sie dienten sogar als Soldaten der finnischen Armee an der Front. Acht jüdische Emigranten aus Deutschland wurden 1942 jedoch an die Gestapo ausgeliefert und in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Sieben fanden dort den Tod. Bereits zu dieser Zeit hatten angesehene Bürger in großen Tageszeitungen Appelle gegen diese Auslieferung veröffentlicht. Im September 1944 schloss Finnland einen separaten Waffenstillstand mit der Sowjetunion, um einer drohenden Besetzung zuvorzukommen, und kämpfte fortan gegen die noch im Land befindlichen deutschen Truppen. Die bis 1991 andauernden besonderen Beziehungen Finnlands zur Sowjetunion wurden 1948 in einem »Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand« geregelt. Die Beteiligung Finnlands am Zweiten Weltkrieg an der Seite Deutschlands, die 90.000 finnische Soldaten das Leben gekostet hatte, blieb bis in die 1990er Jahre ebenso verschwiegen wie die Zusammenarbeit der finnischen Geheimpolizei »Valpo« mit der Gestapo und die Auslieferung sowjetisch-jüdischer Kriegsgefangener und Flüchtlinge an Deutschland zwischen 1941 und 1944. 2003, nach der Auswertung neu zugänglicher Quellen, kam es in der finnischen Öffentlichkeit zu einer Debatte um die ausgelieferten sowjetisch-jüdischen Kriegsgefangenen und Flüchtlinge. Zur 450-Jahr-Feier Helsinkis enthüllte Ministerpräsident Paavo Lipponen (*1941) am 5. November 2000 in der Parkanlage »Tähtitorninmäki« im Zentrum der finnischen Hauptstadt ein Denkmal für die im Jahr 1942 Deportierten. Darüber hinaus gedenkt das heutige Finnland aller Gefallenen des Winterkriegs gegen die Sowjetunion 1939/40 und des Feldzugs an der Seite der Wehrmacht zwischen 1941 und 1944 sowie der 1944/45 im Kampf gegen die Wehrmacht zu Tode gekommenen Soldaten.

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