Museum Oflag IIC Woldenberg

Muzeum Woldenberczyków


Im neumärkischen Woldenberg (polnisch: Dobiegniew) befand sich während des Zweiten Weltkrieges das größte Kriegsgefangenenlager der Wehrmacht für polnische Offiziere – das OfLag II C. Seit 1987 gibt es dort ein Museum, das 2022 erneuert wurde.

Geschichte

In Woldenberg (polnisch: Dobiegniew) bestand zwischen dem 21. Mai 1940 und dem 25. Januar 1945 das größte Kriegsgefangenenlager der Wehrmacht für 6.000 polnische Offiziere sowie bis zu 1.000 Unteroffiziere und Soldaten – auf etwa 25 Hektar mit 25 Baracken sowie weiteren Verwaltungs- und Wirtschaftsgebäuden. Im Gegensatz zur Behandlung sowjetischer Kriegsgefangener hielten sich die Verantwortlichen im OfLag II C an die Genfer Konvention: Unteroffiziere und Mannschaften verdienten ihre Ernährung durch Arbeit, während Offizieren derselbe Sold wie einem Offizier gleichen Ranges der gewahrsamnehmenden Nation ausgezahlt wurde; allerdings in »Lagermark«, die nur innerhalb des Lagers zu gebrauchen war. Fürsorge übernahmen auch das Internationale Rote Kreuz und die Internationale Vereinigung der christlichen Jugend (Y.M.C.A.). Im OfLag II C verfügten die Gefangenen über zahlreiche Clubs und soziale Einrichtungen zur geistigen und körperlichen Ertüchtigung. 80 Offiziere, die im zivilen Leben Lehrer waren, gaben Unterricht – unter anderem in Philosophie und Rechtswesen, Französisch und Englisch. Etwa 1.500 Gefangene nahmen an Kursen auf Universitätsniveau teil, deren Abschlusszeugnisse polnische Hochschulen später anerkannten. Es gab mehrere Bibliotheken mit etwa 20.000 Büchern, Chöre, Musikensembles, ein Theater sowie ein Symphonieorchester, außerdem gab es zahlreiche sportliche Wettkämpfe.
Der Widerstand und die geheime Militärarbeit im Lager waren straff organisiert. Ab 1942 hielten Gefangene verschlüsselten Funkkontakt mit der Heimat und versuchten, über Radiosendungen– vor allem aus London und Moskau – Informationen über die aktuelle Frontlage zu erhalten. Ebenfalls 1942 gelang fünf Offizieren die Flucht. Sie schlossen sich dem Untergrund in Polen an. Ein weiterer Versuch von etwa 150 Offizieren durch einen Tunnel missglückte 1943, da dieser kurz vor seiner Fertigstellung entdeckt wurde.
Am 21. Januar 1945 mussten sich angesichts der Frontlage knapp 3.000 Gefangene auf einen Marsch gen Westen begeben. Die übrigen 4.000 befreite die Rote Armee am 30. Januar 1945.

Opfergruppen

Im OfLag II C hielt die Wehrmacht polnische Offiziere, Unteroffiziere und einfache Soldaten aus dem Septemberfeldzug 1939 gefangen, außerdem einige Offiziere, die 1940 während der Eroberung Frankreichs gefangen worden waren, sowie an die 100 Offiziere der Heimatarmee (Armia Krajowa), die nach der Niederschlagung des Warschauer Aufstandes 1944 in Gefangenschaft gerieten — insgesamt rund 6.000 Offiziere sowie 700 bis 1.000 Unteroffiziere und einfache Soldaten. Zwischen 1940 und 1945 starben rund 60 Gefangene an Krankheiten und Unfällen. 15 weitere wurden ermordet: zwei nach einem Todesurteil durch die Gestapo, vier im Rahmen der sogenannten Euthanasie, die übrigen erschossen die Wachmannschaften bei Fluchtversuchen; sie sind namentlich bekannt. Für die Toten gab es einen Friedhof im Lager; die sterblichen Überreste wurden nach dem Krieg nach Landsberg an der Warthe (polnisch: Gorzów Wielkopolski) umgebettet. Außerdem kamen Häftlinge Ende Januar 1945 während des Evakuierungsmarsches in Richtung Westen zu Tode. Die Anzahl der früheren Kriegsgefangenen, die der kommunistische Geheimdienst Volkspolens nach 1945 als angebliche »Kollaborateure« mit den Deutschen verfolgt und getötet hat, ist unklar.

Erfahre mehr über Polen

Mit dem Angriff auf Polen und der Besetzung des Landes durch deutsche Truppen im Westen und durch die Rote Armee im Osten begann im September 1939 der Zweite Weltkrieg. Unmittelbar nach dem Einmarsch setzten in beiden Teilungsgebieten Verfolgung und Terror ein. Deutsche Verbände verübten Massaker an Angehörigen der geistigen Eliten, jüdischen und nichtjüdischen Zivilisten sowie Patienten. Ab Ende 1939 errichtete die deutsche Verwaltung Ghettos, in denen die jüdische Bevölkerung unter elenden Bedingungen zusammengedrängt wurde. 1941, nach dem Angriff auf die Sowjetunion, geriet auch Ostpolen unter deutsche Herrschaft. SS-Einsatzgruppen ermordeten zunächst systematisch jüdische Männer, später auch Frauen und Kinder. Im Herbst 1941 begannen lokale deutsche Dienststellen im früheren Westpolen mit der Vorbereitung von Massentötungen jüdischer Ghettohäftlinge durch Giftgas. Bis 1945 wurden etwa drei Millionen polnische Juden in den Vernichtungsstätten Kulmhof, Belzec, Treblinka und Sobibor, in Majdanek und Auschwitz ermordet, verhungerten in den Ghettos oder wurden erschossen. 1943 erhoben sich die jüdischen Bewohner des Warschauer Ghettos zu einem Aufstand, den die SS blutig niederschlug. Polnische Soldaten kämpften auf Seiten der Alliierten an allen Fronten des Weltkriegs. Partisanengruppen, darunter die patriotische »Armia Krajowa« (Heimatarmee), bildeten die größte Widerstandsbewegung im besetzten Europa. Am 1. August 1944 begann der Warschauer Aufstand, die umfangreichste Erhebung von Zivilisten gegen die Deutschen im besetzten Europa. Er scheiterte, auch weil die Rote Armee – bereits am anderen Weichselufer stehend – nicht eingriff. Die Zahl der Toten wird auf bis zu 250.000 geschätzt. Insgesamt kamen etwa drei Millionen nichtjüdische Polen unter deutscher Besatzung gewaltsam zu Tode. Nachdem die Rote Armee bereits im Januar 1944 (ost-)polnischen Boden erreicht hatte, wurden die Truppen der Armia Krajowa vom sowjetischen Geheimdienst entwaffnet, ihre Offiziere erschossen oder verschleppt. Die Millionen Toten der Besatzungszeit, die dauerhafte Annexion Ostpolens durch die Sowjetunion, die Eingliederung ostdeutscher Gebiete und der daraus resultierende Bevölkerungsaustausch verursachten in Polen ein schweres politisches und gesellschaftliches Trauma. In der Erinnerungskultur stand das Gedenken an die Ermordung der europäischen Juden in deutschen Vernichtungslagern auf polnischem Boden zunächst im Hintergrund. So galt Auschwitz – im Ausland längst zum Symbol des Holocaust geworden – über Jahrzehnte vor allem als »Ort polnischen Martyriums«. Veränderungen gibt es allerdings seit Beginn des 21. Jahrhunderts. Dazu mögen auch die heftigen Debatten um den ostpolnischen Ort Jedwabne beigetragen haben. Das Massaker an etwa 340 Juden am 10. Juli 1941, das bis dahin »Gestapo und Hitler-Polizei« zugeschrieben worden war, hatten polnische »Nachbarn« ohne deutschen Zwang verübt. Die Diskussionen im In- und Ausland um eine polnische Mittäterschaft führten 2001 dazu, dass sich Staatspräsident Aleksander Kwaśniewski (*1954) bei den Opfern entschuldigte. Forderungen von Fachleuten, etwa aus dem Institut des Nationalen Gedenkens, sich den schwierigsten Kapiteln der Vergangenheit zu stellen, wurden lauter. Zu diesen zählen auch antijüdische Pogrome 1946/47 und der staatliche Antisemitismus im sozialistischen Nachkriegspolen. Der polnische Staat investiert sehr viel in Erinnerungspolitik, auch in Großprojekte mit internationaler Ausstrahlung. Das Museum des Warschauer Aufstandes wurde bereits 2004 eröffnet. Das POLIN Museum der Geschichte der polnischen Juden eröffnete auf dem Gebiet des ehemaligen Warschauer Ghettos 2013, ein Museum des Warschauer Ghettos soll 2024 folgen. In Danzig gibt es seit 2017 das Museum des Zweiten Weltkrieges. Die ehemaligen deutschen Vernichtungslager Belzec und Sobibor wurden nach der Jahrtausendwende in moderne Gedenkstätten umgewandelt. Auch in der Kultur ist eine immer intensivere Beschäftigung mit dem jüdischen und multikulturellen Erbe Polens zu beobachten.

Erinnerung

Ab etwa März 1945 bis offensichtlich Herbst desselben Jahres nutzte die sowjetische Besatzungsmacht das Woldenberger Lager als Haftort für deutsche Soldaten und Volkssturmmänner. Gleichzeitig wurde das Gebiet um Woldenberg polnisch. Die einheimische deutsche Bevölkerung floh oder wurde vertrieben.
Ein Großteil der historischen Gebäude des Lagers wurde nach Kriegsende abgerissen. Einige Baracken, Zäune und ein Wachturm blieben erhalten. Auf Betreiben ehemaliger Häftlinge des OfLag II C entstand 1987 ein Museum, das in einer früheren Wohnbaracke der Wehrmacht untergebracht ist. 2011 wurden Grabungen auf dem Gelände durchgeführt. Die gesamte Anlage wurde ab 2020 aus Fördermitteln der EU umfassend renoviert und restauriert. Die Neueröffnung des Museums erfolgte am 1. September 2022. Eine moderne Ausstellung beherbergt historische Artefakte, Dokumente und persönliche Erinnerungsstücke der Lagerinsassen. Die meisten der Gegenstände hatten Gefangene trotz beschwerlicher Bedingungen auf den langen Fußmarsch im Januar 1945 mitgenommen und später dem Museum vermacht, sie wurden von Angehörigen übergeben oder auf dem Gelände entdeckt.

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