Portugal


Portugal blieb im Zweiten Weltkrieg neutral. Dadurch war das Land ein wichtiger Zufluchtsort für mehr als 50.000 Flüchtlinge aus den von den Nationalsozialisten besetzten Gebieten Europas. Allein durch den mutigen Einsatz des in Bordeaux stationierten portugiesischen Diplomaten Aristides de Sousa Mendes (1885–1954) konnten etwa 30.000 Menschen vor den vorrückenden deutschen Besatzern nach Portugal fliehen. Gleichzeitig war das Land jedoch seit 1932 eine rechtsgerichtete Diktatur unter der Herrschaft von António de Oliveira Salazar (1889–1970), der teilweise mit den Nationalsozialisten kollaborierte. So belieferte Portugal Deutschland mit kriegswichtigen Metallen wie Wolfram, das für die Panzerung von Militärfahrzeugen genutzt wurde. Um einer Verwicklung in den Krieg vorzubeugen, arbeitete Salazar jedoch auch mit den Alliierten zusammen. Ab 1943 stellte er diesen beispielsweise die zu Portugal gehörenden Azoren als Stützpunkt zur Verfügung. In der Nachkriegszeit fand in der weiterhin bestehenden Salazar-Diktatur keine Aufarbeitung der eigenen Rolle im Zweiten Weltkrieg statt. Die Rettungsaktion durch Aristides de Sousa Mendes führte nicht zu dessen Anerkennung, sondern zu einem Disziplinarverfahren und seiner Entlassung aus dem diplomatischen Dienst. Erst nach der sogenannten Nelkenrevolution des Jahres 1974 und der anschließenden Demokratisierung des Landes setzte ein Prozess der kritischen Reflexion über die eigene Vergangenheit ein. Im Zuge dessen rehabilitierte das portugiesische Parlament Sousa Mendes. Im Jahr 2021 wurde in Porto das erste Holocaustmuseum des Landes eröffnet.

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